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Nachruf auf Willy Hans Rösch
(gest.
27.2.2000)
Ich
lernte Willy Hans Rösch anfangs der siebziger Jahre kennen, beim zweiten
der Komponistenseminare, die Klaus Huber leitete und die gleich von Anfang
an international von sich reden machten. In den zwei Jahrzehnten bis zu
seinem Abschied vom Amt des Präsidenten hatte ich Gelegenheit, in-
und außerhalb der Stiftung immer wieder enge Kontakte zu ihm zu pflegen.
Es waren Arbeitskontakte und zugleich freundschaftliche Kontakte. Trennen
ließ sich beides bei ihm nicht.
So wird es wohl allen,
die irgendwann einmal mit ihm auf ein gemeinsames Ziel hingearbeitet haben,
gegangen sein: Man spürte seine Aufmunterung, sein vorurteilsloses
Interesse, seine Offenheit und seine Wärme. Alle wußten, daß
es ohne ihn eigentlich gar nicht ging. Selbst dann, wenn er gar nicht in
Erscheinung trat, war er im Geiste anwesend. Er verteidigte kritische und
unbequeme Beiträge gegenüber den Gremien und Geldgebern und zeigte
ein fast grenzenloses Vertrauen gegenüber denen, die ihre oft recht
seltsamen Ideen in Boswil einbrachten.
Willy Hans Rösch
war der gute Geist, der mit Großmut und Hartnäckigkeit die Projekte
anderer realisieren half und auch schon mal biestig werden konnte, wenn
er meinte, jemand könnte den Schwung der Unternehmung bremsen. Wenn
man einen Grundzug seiner oft diskreten Erscheinung beschreiben wollte,
dann ist es vielleicht seine stille, doch unglaublich intensive Präsenz,
die er über all die Jahre hinweg aufrechterhielt.
Dabei spielte er stets
eine doppelte Rolle: die des Veranstalters und die des Publikums. Wenn
es wieder einmal soweit war und ein Projekt in der Alten Kirche vorgestellt
wurde, saß er in jedem freien Moment links oben auf der Empore und
verfolgte mit großer Aufmerksamkeit, was sich da unter seinen Augen
abspielte. Und anschließend war er selbstverständlich auch im
Künstlerhaus mit dabei, wenn in endlos langen, verrauchten Runden,
bei Wein, Bier und manchmal auch Mineralwasser die Ergebnisse diskutiert
und über Kunst und Gesellschaft, Gott und die Welt debattiert
wurde. Das ging meistens bis weit nach Mitternacht. Frühaufsteher
konnten ihm dann manchmal begegnen, wie er sich nach einigen Stunden Schlaf
ins Auto setzte, um nach Baden zur Arbeit zu fahren.
Welches sein erster Arbeitsplatz
war, das Künstlerhaus Boswil oder das Büro seiner Beleuchtungsfirma
in Baden, war manchmal nicht so recht klar. Er tat beides mit voller Kraft.
Er lebte beides und verbrauchte doppelte Energie, wie eine Kerze, die an
beiden Enden brennt. Und wundersamerweise erneuerte sich diese Energie
immer wieder und übertrug sich auch auf die, die mit ihm zusammenarbeiteten.
Mit seinem langwierigen
Rückzug von Boswil schien dieser Energiequell nachzulassen. Doch in
den letzten Jahren setzte er mit der für ihn typischen Zähigkeit
noch einmal seine ganze Kraft daran, die Buchdokumentation über die
Boswiler Stiftung herauszubringen.
Im letzten Dezember,
als sich zum 75. Geburtstag von Klaus Huber viele der alten Freunde in
der Alten Kirche wieder zusammenfanden, ging Willy Hans nicht nach Boswil,
sondern ins Krankenhaus. Ich traf ihn dort, sichtlich geschwächt,
im Schlafanzug am Tisch sitzend, wie er Manuskripte redigierte. Mit dieser
Arbeit wurde die erlebnisreiche Zeit in Boswil für ihn endgültig
zur Erinnerung, und es wurde zugleich seine letzte Aktion.
In dieser Publikation,
aber noch vielmehr im prosperierenden Künstlerhaus, bleibt uns die
Erinnerung an einen warmherzigen Menschen und großzügigen Förderer
der Kunst, der mit seiner geistigen Offenheit und der freien Art zu denken
uns allen ein Beispiel gab.
Max Nyffeler

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