Die Soldaten von Bernd Alois Zimmermann: Seriell überhöhte Niedertracht

Verblüffend einfache Bühnenlösung für ein komplexes Bühnenwerk

Zimmermann, SoldatenDas 1965 in Köln uraufgeführte Bühnenwerk Die Soldaten von Bernd Alois Zimmermann ist mit seinen seriell konzipierten, hochexpressiven Gesangpartien nicht nur musikalisch extrem schwierig aufzuführen. Wegen seiner komplexen Simultanszenen ist es auch szenisch alles andere als einfach zu realisieren. Eine Produktion der Ruhr-Triennale 2006 bietet nun eine szenische Lösung, die in ihrer Stimmigkeit verblüfft. Ermöglicht wird sie allerdings nur durch den ungewöhnlichen Aufführungsort: die Bochumer „Jahrhunderthalle“, eine unter Denkmalschutz stehende historische Fabrikhalle. Als stählerner Industrietempel des frühen 20. Jahrhunderts mit gigantischen Ausmaßen bildet sie eine ideale Kulisse für die um die existenzielle Gefährdung des Menschen kreisende Thematik des Werks.

Der Regisseur David Pountney und der Bühnenbildner Robert Innes Hopkins lassen die Handlung von der naiven Kleinbürgertocher, die den grausamen Soldaten zum Opfer fällt, auf einem über hundert Meter langen und drei Meter breiten Steg in der Mitte der Halle spielen. Das erlaubt es der Inszenierung, die dicht gedrängten Simultanszenen zu entzerren und durch die räumliche Perspektive zugleich Zusammenhänge zu schaffen, die auf einer Guckkastenbühne nicht möglich wären. Das Orchester sitzt auf der einen Seite des Stegs, auf der andern fährt auf einer Schiene ein beweglicher Tribünenwagen, der das Publikum zu den jeweiligen Handlungsorten bringt.

Die Sänger bewältigen ihre horrend schwierigen Partien mit Bravour und einer Textverständlichkeit, die die fehlenden Untertitel kaum vermissen lässt. Das Klangbild ist von einer erstaunlichen Transparenz, was gewiss in erster Linie der großen Sicherheit und Umsicht zu verdanken ist, mit der der Dirigent Steven Sloane den riesigen Apparat durch den Abend führt, dann aber auch der vorzüglichen Aufnahmetechnik.

Auch die filmische Aufbereitung der DVD lässt keine Wünsche offen. Die Kameras führen den Zuschauer aus wechselnder Perspektive dicht an die Figuren heran, der Raum mit seinen weiten Durchblicken und dem Stahlgewirr in der Höhe wird immer wieder in die Handlung einbezogen und bildet einen kalten Kommentar zum grausamen Geschehen auf der Bühne. Insgesamt eine Produktion, die die Komplexität dieses maßstabsetzenden Werks angemessen wiedergibt und zugleich in verständliche Bilder auflöst.

© Max Nyffeler

DVD: Bernd Alois Zimmermann: Die Soldaten / R: David Pountney, B: Robert Innes Hopkins, ML: Steven Sloane / Bild: NTSC !6:9, Ton: Stereo, Dolby 5.1 und DTS 5.1 / Dauer: 122 min. / Bezug: www.ruhrtriennale.de, Webshop

(Oktober/2007)

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