Il ritorno d'Ulisse in Patria von Monteverdi

Packende Aufnahme mit William Christie

Ulisse DVD-CoverClaudio Monteverdis Opern, über die Alfred Einstein noch vor fünfzig Jahren schrieb, sie seien für die Allgemeinheit nicht mehr lebendig zu machen, beschäftigen uns dank der Entdeckungsarbeit der Alte-Musik-Spezialisten heute mehr denn je. Auch Monteverdis Spätwerk Il ritorno d'Ulisse in patria erscheint immer wieder auf den Bühnen und liegt bereits zweimal auf DVD vor. Nach der Zürcher Produktion mit Nikolaus Harnoncourt und Klaus-Michael Grüber von 2002 ist nun eine Version von William Christie und Adrian Noble, dem langjährigen Leiter der Royal Shakespeare Company, erschienen. Sie hatte beim Festival in Aix-en-Provence 2000 Premiere und wurde 2002 aufgezeichnet.

Da die Originalpartitur verschollen und die Quellenlage widersprüchlich ist, sind die Aufführungen des Ulisse stets nur Annäherungswerte. Vor allem die Instrumentation wird je nach Standpunkt ganz unterschiedlich rekonstruiert. Harnoncourt bevorzugt ein farbenreiches Orchester und fügt beim Auftritt Neptuns sogar Blechbläser hinzu, entsprechend der Praxis am reichen Hof von Mantua, die man etwa von Monteverdis Orfeo her kennt. Anders der englische Dirigent Christopher Moulds bei der Münchner Inszenierung des Ulisse von 2003: Er reduzierte die Besetzung auf Streicher und Continuo mit der Begründung, die Uraufführung des Ulisse 1640 in Venedig sei vor zahlendem Publikum erfolgt, und auf dem freien Markt seien damals höfisch-opulente Besetzungen nicht mehr möglich gewesen.

William Christie geht mit Les Arts Florissants einen etwas anderen Weg. Die Streicher und die sehr farbige Continuo-Gruppe ergänzt er äußerst sparsam mit Kornett und Blockflöte, was zusammen mit dem Dulzian-Orgelregister den Klang an wenigen, aber entscheidenden Stellen hell auflichtet. Die Sängerbesetzung könnte überzeugender nicht sein. Der Kroate Kresimir Spicer als Ulisse und die Serbin Marijana Mijanovic als Penelope ergänzen sich hervorragend. Beide verfügen über ein breites, genau kontrolliertes Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten; die Sängerin hat obendrein das Zeug zur großen Tragödin.

Die Inszenierung von Adrian Noble verzichtet auf alle Mätzchen. Sie spielt die komischen Momente mit der nötigen Derbheit aus und konzentriert sich ansonsten ganz auf das menschliche Drama, das in Monteverdis Komposition auch nach fast vierhundert Jahren nichts an Faszination eingebüsst hat.

© Max Nyffeler 2004

DVD: Claudio Monteverdi: Il ritorno d'Ulisse in patria. / Aix-en-Provence 2000/2002 / Kresimir Spicer, Marijana Mijanovic u.a., R: Adrian Noble, ML: William Christie / Ital. m. UT / PCM Stereo, Dolby 5.1 / 174 min. (inkl. 11 min. Interview mit Christie) / Virgin 7243 4 90612 93

(Mai/2004)

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