Frühe Music Clips mit Hampton und Ellington

Hamp&DukeEinen Einblick in die Kultur des schwarzen Amerika der dreißiger und vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts gibt eine DVD mit je einem Dutzend Aufnahmen der Bigbands von Duke Ellington und Lionel Hampton in synthetischer Stereo- resp. Surroundtechnik. Die beiden gehörten zu den ersten schwarzen Bandleadern in dem von den Weißen beherrschten Kulturbetrieb der USA.

Bei Hampton handelt es sich um traditionelle Studioaufnahmen. Die Kamera richtet sich immer wieder auf den Bandleader und rückt seine enormen Fähigkeiten als Entertainer, Vibraphonist, Pianist und trickreicher Schlagzeuger ins Zentrum, was jedoch auf Dauer etwas eindimensional wirkt.

Viel interessanter sind dagegen die Beiträge der Ellington Band. Es sind richtige kleine Musikfilme mit gekonnt inszenierten Handlungselementen, Vorläufer des heutigen Musikclip. Die Musiker sind Teil der Szene, die Akteure sind wie diese weitgehend dunkelhäutig. Bei den gesungenen oder pantomimischen Dialogen kommt viel von der Befindlichkeit des schwarzen Amerika jener Jahre zur Darstellung – eine ambivalente Mischung von selbstbewusster Vitalität, einer Naturbegabung fürs Komische und der verinnerlichten sozialen Rolle des "little negro".

Die Auswahl der Stücke umfasst eine Reihe von Ellingtons berühmtesten Nummern, darunter Mood Indigo, The Mooche, Caravan und Solitude. Absolut hinreißend ist die akrobatische Tanznummer zu Hot Chocolate. Die Körper wirbeln durch die Luft, dass einem beim Zuschauen der Mund offen bleibt. Es ist offensichtlich, dass der spätere weiße Rock'n'Roll hier eine seiner Vorlagen gefunden hat. Nur: er ist ein fader Abklatsch dessen, was die schwarzen Tänzer hier aufs Parkett legen.

© Max Nyffeler 2004

DVD: Hamp & The Duke. Duke Ellington und Lionel Hampton Band / Engl. / Dolby 5.1 u. Stereo / 71 min. / JazzOlogy DV-JHTD (Vertrieb Naxos)

(März/2004)

DVD-Rezensionen: Liste

Home