Chopin und der Belcanto

Ein Film über Chopins Opernleidenschaft

Cover zu Chopin in der OperEinen ungewöhnlichen Beitrag zum Chopin-Jahr 2010 legt Jan Schmidt-Garre mit seinem Filmessay „Chopin in der Oper“ vor. Er erinnert daran, dass dieser Klavierkomponist par excellence ein begeisterter Operngänger war und wesentliche Anregungen vom italienischen Belcanto, besonders von Bellini, erhielt. Von der „Vermenschlichung des Klaviers durch Gesang“ ist darin die Rede, und in zahlreichen Beispielen werden die Querverbindungen offengelegt, so etwa in der Etüde cis-Moll op. 25, deren Kantilene auf den Beginn des zweiten Aktes von Bellinis „Norma“ verweist. Was diesen Film über den Erkenntnisgewinn hinaus so sehenswert macht, ist die Art der Darstellung. Schmidt-Garre lud einige Musikologen, einen Philosophen, einen Pianisten und drei Sängerinnen in das Landgut der George Sand nach Nohant ein, wo Chopin mehrere Jahre lang komponierenderweise seine Sommer verbrachte. Beim Spazieren im Park, am stilvoll gedeckten Tisch im Salon und im zwanglosen Kreis um das Klavier herum wird das Thema diskutiert und musizierend veranschaulicht. Der Zauber des Orts wirkt inspirierend auf die Runde – ein gelungenes Beispiel, wie kreativ und im Wortsinn unterhaltend musikwissenschaftliches Sprechen sein kann, wenn das Umfeld stimmt.

© Max Nyffeler 2010

DVD: Chopin in der Oper. Film von Jan Schmidt-Garre und Georg-Albrecht Eckle (Script). Mit Roland Pöntinen, Vesselina Kasarova, Jean-Jacques Eigeldinger, Jörg Splett u.a. Arthaus 101 513

DVD-Rezensionen: Liste

 

Home