Celibidaches Präzision

Eine zupackende Interpretation der Symphonie fantastique von Hector Berlioz

Celibidache / BerliozWer Sergiu Celibidache nur als den launischen, auf Transzendenz des Klangs und breite Tempi fixierten Patriarchen der letzten zwei Lebensjahrzehnte in Erinnerung hat, wird vom 1969 entstandenen Live-Mitschnitt mit der Symphonie fantastique von Hector Berlioz überrascht sein. Die Aufnahme mit dem RAI-Orchester Turin zeigt einen zupackenden, auf äußerste Präzision bedachten Dirigenten.

Mit großen und elastischen Bewegungen, denen jede überflüssige Geste abgeht, treibt er das hervorragend einstudierte Orchester  an, das hellwach auf seine Signale reagiert: ein ökonomisches, streng zweckgerichtetes Dirigieren, in seiner kraftvollen Virilität voll drängender Energie und schön anzuschauen obendrein. Die zügigen, aber nie gehetzten Tempi sind von einem stabilen Grundpuls getragen, der Klang wirkt kompakt und  geerdet, die heiklen Bläsersätze im Schlussteil sind rhythmisch scharf konturiert.

Trotz Schwarz-Weiß-Optik und auf zwei Kanälen aufgefächertem, gut restauriertem Monoklang erscheint die Aufführung kein bisschen veraltet. Im Gegenteil: Mit ihrem Gleichgewicht zwischen sachlicher Zweckmäßigkeit und einem feurigen, aber stets gut kontrollierten Temperament besitzt diese Interpretation einen zeitlos modernen Zug.

© Max Nyffeler

DVD: Hector Berlioz: Symphonie fantastique / Sinfonieorchester der RAI Turin, Ltg. Sergiu Celibidache / Mono 2-kan. / 4:3 / 58 min. / Opus Arte OA 0977 D

(November/2007)

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