Der Plastik-Macho: Cavallis "Ercole amante"

Wer nach Erklärungen für die anhaltende Popularität der barocken Oper sucht, kann bei der Aufzeichnung von Francesco Cavallis „Ercole amante“ aus der Amsterdamer Oper fündig werden. Regisseur David Alden nimmt das Prinzip der barocken Repräsentation ernst und setzt es zugleich auf vergnügliche Weise der Kritik aus. Passend dazu das knallbunte Dekor von Paul Steinberg, die luxurierenden Kostüme von Constance Hoffman und vor allem eine grandiose Hauptfigur: Herkules im Plastik-Muskelpanzer, ein dröhnender Macho, der vor lauter Kraft nicht gehen kann und in der Person von Luca Pisaroni auch stimmlich ein Mannsbild erster Güte darstellt. Auch alle anderen Rollen sind hervorragend besetzt. Cavalli, der Meister der venezianischen Oper, hatte den Fünfakter zur Vermählung Ludwigs XIV. im Jahr 1660 komponiert – eine hoch inspirierte Musik, mit üppiger rezitativischer Deklamation, prachtvollen Ariosi und strahlenden Chorsätzen. Das mit allen Schikanen der damaligen Bühnenmaschinerie arbeitende Stück kam aus technischen Gründen erst 1662 zur Aufführung, wobei Hofkomponist Lully noch einige Ballette einsetzte. Die Inszenierung folgt dieser Komplettfassung und lässt geschichtsgetreu auch gleich noch den Roi soleil über die Bühne stolzieren. Ein Fest für Auge und Ohr.

© Max Nyffeler 2010

DVD: Francesco Cavalli: Ercole amante. Mit Luca Pisaroni, Veronica Cangemi, Anna Bonitatibus u.a., Concerto Köln, Chor der Nederlandse Opera, Ivor Bolton (Leitung), David Alden (Inszenierung).  Opus Arte 1020 D (2 DVD)

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