DVD-Cover Maria CallasIdol und Opfer

Filmporträt der Maria Callas

Sie war die berühmteste Sängerin des 20. Jahrhunderts mit einer Stimme, die alles andere als schön im Sinn des Belcanto war, aber mit der Kraft ihrer Darstellung führte sie die Oper wieder zu ihren Ursprüngen, zum Musikdrama zurück. 1987, zum zehnten Todestag der Maria Callas, drehte der englische Regisseur Tony Palmer einen Fernsehfilm, in dem er die Stationen ihrer Entwicklung noch einmal nachzeichnete: Die Kindheit im zerrütteten Elternhaus in New York und Athen, die Anfänge als ziemlich dickes hässliches Entchen, das durch harte Arbeit, nach einer Abmagerungskur von 37 Kilos und dem ersten großen Triumph 1947 in der Arena von Verona zum weltweit gefeierten Star wurde. In den Äußerungen von Freunden und Kollegen, Biografen und Impresarios entsteht das Bild einer Frau, die zwar als Sängerin alle Schwierigkeiten überwand, im Leben aber scheiterte. Weitab vom heutigen weiblichen Selbstverständnis konnte sie sich nur über Männer definieren: Lucchino Visconti, ihr erster großer Regisseur, der Großindustrielle Meneghini, den sie heiratete und der nun vor der Kamera aus ihren Liebesbriefen vorliest, schließlich der steinreiche Reeder Onassis. Der zwielichtige Milliardär, so der Regisseur Franco Zeffirelli im Interview, war ihr Verhängnis – er brachte sie in vollkommene körperliche Abhängigkeit und beutete sie zugleich vampirhaft aus. Als er sie gegen Jacqueline Kennedy austauschte, war ihr Selbstbewusstsein gebrochen, ihre Versuche zu einem Comeback auf der Bühne schlugen fehl. Sie starb vereinsamt 1977 in Paris im Alter von 53 Jahren

Der Film, der im Katalog des Labels Arthaus als Longseller figuriert, enthält eine Fülle hochinteressanter Dokumentaraufnahmen: vom Spießrutenlauf des Stars durch die Meute der Sensationsreporter (Callas: "Es gibt nur Pressefreiheit, aber keine Freiheit des Individuums") über kluge und einfühlsame Statements von Künstlerkollegen wie Zeffirelli, Tito Gobbi und Carlo Maria Giulini bis zu den Bühnenauftritten, die die Sängerin in Hochform zeigen. Ein Künstlerinnenporträt, das auch die Hintergründe ausleuchtet und nicht nur Callas-Fans interessieren dürfte.

© Max Nyffeler 2003

Maria Callas, La Divina. A Portrait. Film von Tony Palmer (1987). Originalsprache Englisch (Deutsch synchon oder mit Untertiteln). Arthaus 100052, stereo / Regionalcode 2,5,6 / 92 Minuten

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(20.1. 2003)

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