Komponieren nach Adorno

Untersuchungen zum Werk von Matthias Pintscher

Der 1971 geborene Komponist Matthias Pintscher hat eine frühe und steile Karriere gemacht, vergleichbar nur dem jungen Henze, dem er auch vom Künstlertyp her gleicht. Ein Symposium zu seinen Werken, das 2003 in der Alten Oper Frankfurt stattfand, wird nun in einem ansprechend gestalteten kleinen Band dokumentiert. In den sechs Beiträgen von Norbert Abels, Éva Pintér, Wolfgang Sandner, Siegfried Mauser, Martin Zenck und dem Herausgeber Hans-Klaus Jungheinrich entsteht das Porträt eines früh gereiften Komponisten, der an Vorbilder wie Mahler, Strauss und Berg anknüpft und in organischer Weise Einflüsse der bildenden Kunst und Literatur im Werk verarbeitet; sein musikalisches Denken kreist immer wieder um Arthur Rimbaud. Die Gabe zur subtilen Selbstreflexion erinnert an ältere Kollegen wie Lachenmann und Rihm; sie prädestiniert ihn auch glänzend zum Ernährer akademischer Sekundärliteraturproduzenten, wie einige der Aufsätze vermuten lassen. Aufschluss über die langsam bröckelnden Tabus in der deutschen Neue-Musik-Debatte gibt die abschliessende Podiumsdiskussion. Als ihr Ausgangspunkt dient das Verdikt von Heinz-Klaus Metzger, Pintschers Musik sei unerheblich, denn sie habe nichts eingeführt und nichts abgeschafft. Metzger wird geschlachtet, doch die im Hintergrund stehende Geschichtsphilosophie seines Übervaters Adorno bleibt weitgehend unangetastet.

© 2005 Max Nyffeler

Was noch kommt... Der Komponist Matthias Pintscher, hrsg. von Hans-Klaus Jungheinrich. Schott: Mainz 2004, 93 S., 14,95 Euro

© 2005 Max Nyffeler

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